Hanns Trippel - alle seine Fahrzeuge
30.6.2001
Hanns Trippel Nach langer Krankheit verstarb Hanns Trippel, bekannt als “der Vater der Schwimmwagen” nur wenige Tage vor seinem Geburtstag im gesegneten Alter von fast 93 Jahren.
Unbestreitbar war er der Welt erste Adresse in Fragen zu Schwimmautos;
ein Automobil Pionier der ersten Stunde, welcher sein ganzes Leben der
Verwirklichung des amphibischen Traumes widmete. Ohne ihn hätte es
Fahrzeuge wie den Amphicar wohl nie gegeben.
Wir alle trauern um ihn und werden ihn vermissen. Doch mit der liebevollen Pflege unserer Amphicars und dem Spaß den wir mit diesen außergewöhnlichen Automobilen haben, werden wir uns stets seiner erinnern und seinen amphibischen Traum am Leben erhalten. |
Er war zwar nicht, wie es häufig geschrieben steht, der Erfinder
des ersten Schwimmwagens, trotzdem aber darf sich Hanns Trippel (geb.19.7.08)
mit Recht der "Vater der Schwimmwagen" titulieren. Niemand sonst hat
wie er sein ganzes Leben der amphibischen Idee gewidmet.
Angefangen hat alles mit einem DKW-F2 Rennwagen, mit dem Trippel in
seiner Jugend Rennen bestritt. Das Fisch-förmige Design seines Fahrzeugs
muß den 26 Jährigen dann dazu veranlaßt haben, ihn denn
auch tatsächlich ins Wasser zu stoßen. Dazu dichtete er ihn
überall ab und montierte am spitz zulaufenden Fahrzeugheck einen Wasserpropeller.
Erste Demonstrationsfahrten im kühlen Naß fanden im September
1934 statt.
Sein 2.Wagen, den er im Jahr darauf baute, war nicht schwimmfähig!
Es war ein reiner Rennwagen basierend auf einem 2 Liter Adler Kompressor
Fahrgestell. Mit diesem wollte Trippel seine Rennkarriere weiter ausbauen.
Vielleicht hatte er damit nicht den gewünschten Erfolg, jedenfalls
wandte er sich zunehmend seiner "verrückten" Idee eines schwimmfähigen
Automobils zu und kleidete ein weiteres 2 Liter Adler Chassis (ohne Kompressor)
in eine schwimmfähige Pononkarosserie. Der "Land-Wasser-Zepp, Versuchswagen
3" war geboren, Trippels 3.Fahrzeug und 2.Schwimmwagen.
Die Deutsche Wehrmacht wurde darauf sehr schnell aufmerksam und Hitler
persönlich ordnete nach einer Besichtigung im Dezember 1935 eine großzügige
finanzielle Unterstützung an. Der Geldsegen beschleunigte die Weiterentwicklung.
Verschiedene Prototypen folgten, bis 1937 der erste SG6 vom Stapel lief.
Zunächst in Homburg/Saar produziert, zog Trippel 1940 nach Molsheim
wo er die Produktionsanlagen des Signore Ettore Bugatti übernahm,
um noch mehr Fahrzeuge seines mittlerweile überarbeiteten Typs SG
6/41 bauen zu können. Doch hatte Trippel inzwischen von Ferdinand
Porsche Konkurenz bekommen. Die Deutsche Wehrmacht bevorzugte den kleineren
VW-Schwimmwagen, nicht nur weil er wesentlich billiger zu haben war. So
wurde Trippel veranlaßt statt Schwimmautos mehr und mehr Lufttorpedos
herzustellen. So entstanden bis 1944 nur etwa 800 Trippel-Schwimmwagen.
Verglichen mit den in dieser Zeit gebauten 15.000 VW-Schwimmwagen waren
das Peanuts.
Mit Kriegsende nahmen die Franzosen Trippel erst mal für drei
Jahre in sichere Verwahrung.
Doch schon 1949 erblickte ein neues Trippelauto die Welt. Es war ein
kleiner, offener Zweisitzer, welcher zwar auch schwimmen konnte, aber sich
im Wasser nur durch die Rotation seiner Hinterräder fortbewegte. Die
Allierten sahen Trippels erneute Schwimmwagenversuche garnicht gern und
sie legten ihm mit einem Wink auf eine weiter mögliche Zwangsverwahrung
nahe, seine verrückte Idee endlich aufzugeben. Entsprechend entwickelte
Trippel sein Fahrzeug hin zu einem Kleinwagen Coupé mit einer Flügeltür
auf der rechten Seite. Dieser SK10 konnte also nicht mehr schwimmen. Später
verlor er zudem sogar seinen Flügel und bekam normale Türen.
Jahrelang versuchte Trippel diesen attraktiven Kleinwagen bei verschiedenen
Herstellern in die Produktion einzubringen. Tatsächlich wurden insgesamt
auch einige wenige hundert Fahrzeuge von verschiedenen Lizensnehmern gefertigt,
jedoch das große Geschäft blieb aus. Enttäuscht wandte
sich Trippel 1957 wieder seinen Schwimmwagen zu und konstruierte den Alligator.
Dies war der Anfang der Amphicar Biographie. Der später gebaute Serien-Amphicar
hatte zwar nicht mehr viel gemein mit Trippels Urprototyp, jedoch muß
er als Urvater aller Amphicars gelten. Die Produktion des ersten zivilen
Serien Schwimmwagens fand dagegen wieder ohne Trippel statt. Irgendwie
wurde er aus der Entwicklungsabteilung vertrieben, noch bevor der erste
Amphicar in Lübeck von Band lief. (Eigentlich war alles etwas komplizierter,
aber wer es genau wissen will, weiß ja, wo er das Buch bestellen
kann, wo alles haarklein drinsteht.)
Ende der 60ger arbeitete Trippel als Gutachter für die Europa-Jeep
Versuche. Die jämmerlichen Fahrzeuge ließen ihn erneut den Drang
verspüren, es allen mit einem richtigen Schwimmwagen zu zeigen. So
entstand 1974 der Trippel T-74.
Die ständige Suche nach einem Produzenten für seine Autos
brachte zwar hin und wieder einen erneuten Prototyp hervor, hinterließ
die anfangs interessierte Firma nicht selten im Konkurs. Nach vielen gescheiterten
und ruinösen Versuchen fand seine Odyssee zunächst scheinbar
1982 bei der RMA mit dem Bau des Amphi-Ranger ein Ende. Doch wieder blieb
Trippel außenvor, als es endlich zu einer Fertigung kam.
Trotz aller Rückschläge gab Trippel niemals auf. Noch mit
81 Jahren legte er beim Bau seines letzten Versuchsmodells eigenständig
mit Hand an. Bis zu seinem Tode wirkte er unermüdlich an der Verwirklichung
seiner Ideen - an der Realisierung des Traumes mit dem Auto ins Wasser
fahren zu können.
Herzlichen Dank Hanns Trippel!
Komplette Zusammenstellung aller Trippelfahrzeuge: