Hanns Trippel - alle seine Fahrzeuge
 
*19.7.190830.6.2001

Hanns Trippel

Nach langer Krankheit verstarb Hanns Trippel, bekannt als “der Vater der Schwimmwagen” nur wenige Tage vor seinem Geburtstag im gesegneten Alter von fast 93 Jahren.

Unbestreitbar war er der Welt erste Adresse in Fragen zu Schwimmautos; ein Automobil Pionier der ersten Stunde, welcher sein ganzes Leben der Verwirklichung des amphibischen Traumes widmete. Ohne ihn hätte es Fahrzeuge wie den Amphicar wohl nie gegeben.
Hanns Trippel verfolgte seine Ideen mit äußerster Anstrengung bis zu seinem Tode weiter, konstruierte und entwickelte immer neue Fahrzeuge. Leider jedoch konnte er an seine Erfolge der 40er oder 60er Jahre in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr anknüpfen.

Wir alle trauern um ihn und werden ihn vermissen. Doch mit der liebevollen Pflege unserer Amphicars und dem Spaß den wir mit diesen außergewöhnlichen Automobilen haben, werden wir uns stets seiner erinnern und seinen amphibischen Traum am Leben erhalten.

Er war zwar nicht, wie es häufig geschrieben steht, der Erfinder des ersten Schwimmwagens, trotzdem aber darf sich Hanns Trippel (geb.19.7.08) mit Recht der "Vater der Schwimmwagen" titulieren. Niemand sonst hat  wie er sein ganzes Leben der amphibischen Idee gewidmet.
Angefangen hat alles mit einem DKW-F2 Rennwagen, mit dem Trippel in seiner Jugend Rennen bestritt. Das Fisch-förmige Design seines Fahrzeugs muß den 26 Jährigen dann dazu veranlaßt haben, ihn denn auch tatsächlich ins Wasser zu stoßen. Dazu dichtete er ihn überall ab und montierte am spitz zulaufenden Fahrzeugheck einen Wasserpropeller. Erste Demonstrationsfahrten im kühlen Naß fanden im September 1934 statt.
Sein 2.Wagen, den er im Jahr darauf baute, war nicht schwimmfähig! Es war ein reiner Rennwagen basierend auf einem 2 Liter Adler Kompressor Fahrgestell. Mit diesem wollte Trippel seine Rennkarriere weiter ausbauen. Vielleicht hatte er damit nicht den gewünschten Erfolg, jedenfalls wandte er sich zunehmend seiner "verrückten" Idee eines schwimmfähigen Automobils zu und kleidete ein weiteres 2 Liter Adler Chassis (ohne Kompressor) in eine schwimmfähige Pononkarosserie. Der "Land-Wasser-Zepp, Versuchswagen 3" war geboren, Trippels 3.Fahrzeug und 2.Schwimmwagen.
Die Deutsche Wehrmacht wurde darauf sehr schnell aufmerksam und Hitler persönlich ordnete nach einer Besichtigung im Dezember 1935 eine großzügige finanzielle Unterstützung an. Der Geldsegen beschleunigte die Weiterentwicklung. Verschiedene Prototypen folgten, bis 1937 der erste SG6 vom Stapel lief. Zunächst in Homburg/Saar produziert, zog Trippel 1940 nach Molsheim wo er die Produktionsanlagen des Signore Ettore Bugatti übernahm, um noch mehr Fahrzeuge seines mittlerweile überarbeiteten Typs SG 6/41 bauen zu können. Doch hatte Trippel inzwischen von Ferdinand Porsche Konkurenz bekommen. Die Deutsche Wehrmacht bevorzugte den kleineren VW-Schwimmwagen, nicht nur weil er wesentlich billiger zu haben war. So wurde Trippel veranlaßt statt Schwimmautos mehr und mehr Lufttorpedos herzustellen.  So entstanden bis 1944 nur etwa 800 Trippel-Schwimmwagen. Verglichen mit den in dieser Zeit gebauten 15.000 VW-Schwimmwagen waren das Peanuts.
Mit Kriegsende nahmen die Franzosen Trippel erst mal für drei Jahre in sichere Verwahrung.
Doch schon 1949 erblickte ein neues Trippelauto die Welt. Es war ein kleiner, offener Zweisitzer, welcher zwar auch schwimmen konnte, aber sich im Wasser nur durch die Rotation seiner Hinterräder fortbewegte. Die Allierten sahen Trippels erneute Schwimmwagenversuche garnicht gern und sie legten ihm mit einem Wink auf eine weiter mögliche Zwangsverwahrung nahe, seine verrückte Idee endlich aufzugeben. Entsprechend entwickelte Trippel sein Fahrzeug hin zu einem Kleinwagen Coupé mit einer Flügeltür auf der rechten Seite. Dieser SK10 konnte also nicht mehr schwimmen. Später verlor er zudem sogar seinen Flügel und bekam normale Türen. Jahrelang versuchte Trippel diesen attraktiven Kleinwagen bei verschiedenen Herstellern in die Produktion einzubringen. Tatsächlich wurden insgesamt auch einige wenige hundert Fahrzeuge von verschiedenen Lizensnehmern gefertigt, jedoch das große Geschäft blieb aus. Enttäuscht wandte sich Trippel 1957 wieder seinen Schwimmwagen zu und konstruierte den Alligator. Dies war der Anfang der Amphicar Biographie. Der später gebaute Serien-Amphicar hatte zwar nicht mehr viel gemein mit Trippels Urprototyp, jedoch muß er als Urvater aller Amphicars gelten. Die Produktion des ersten zivilen Serien Schwimmwagens fand dagegen wieder ohne Trippel statt. Irgendwie wurde er aus der Entwicklungsabteilung vertrieben, noch bevor der erste Amphicar in Lübeck von Band lief. (Eigentlich war alles etwas komplizierter, aber wer es genau wissen will, weiß ja, wo er das Buch bestellen kann, wo alles haarklein drinsteht.)
Ende der 60ger arbeitete Trippel als Gutachter für die Europa-Jeep Versuche. Die jämmerlichen Fahrzeuge ließen ihn erneut den Drang verspüren, es allen mit einem richtigen Schwimmwagen zu zeigen. So entstand 1974 der Trippel T-74.
Die ständige Suche nach einem Produzenten für seine Autos brachte zwar hin und wieder einen erneuten Prototyp hervor, hinterließ die anfangs interessierte Firma nicht selten im Konkurs. Nach vielen gescheiterten und ruinösen Versuchen fand seine Odyssee zunächst scheinbar 1982 bei der RMA mit dem Bau des Amphi-Ranger ein Ende. Doch wieder blieb Trippel außenvor, als es endlich zu einer Fertigung kam.
Trotz aller Rückschläge gab Trippel niemals auf. Noch mit 81 Jahren legte er beim Bau seines letzten Versuchsmodells eigenständig mit Hand an. Bis zu seinem Tode wirkte er unermüdlich an der Verwirklichung seiner Ideen - an der Realisierung des Traumes mit dem Auto ins Wasser fahren zu können.
Herzlichen Dank Hanns Trippel!

Komplette Zusammenstellung aller Trippelfahrzeuge:


1934 Land-Wasser-Zepp Rennwagen, Frontantrieb, DKW-F2 Chassis
1935 no picture Rennwagen Nr.2 Rennwagen, Frontantrieb, Stromlinienform, Zweisitzer, Adler 2 Liter Kompressor 
1935 Land-Wasser-Zepp Versuchswagen 3 Frontantrieb, Adler
1936 Versuchswagen 4 4WD, Adler
1936 Versuchswagen 5 Mittelmotor
1937-1939 SG 6 4WD,  Adler
1938 SK8 2WD, Adler, Dreisitzer
1938-1943 SG 6 Pionier Dicke Version des SG 6 um bis zu 16 Pioniere befördern zu können, Opel
1941-1944 SG 6/41 überarbeiteter SG 6, Opel; verschiedene Versionen: ziviler "Kolonialpionier" mit Türen; das Coupe hieß SG-P
1943 SG 7 4WD, Tatra
1943 Kabinenschlitten air-propeller
1949 SK9 Zweisitzer, schwimmfähig, aber ohne weiteren Wasserantrieb
1950 SK10 nicht schwimmfähig !
1952-1954 SIOP Marathon, 
Perl SK10, 
NV Marathon
nicht schwimmfähig ! 
Weiter entwickelter SK10. Coupé und Cabrioversion. Hergestellt von verschiedenen Firmen.
1955-1958 Trippel 750, 
Troll, 
Weidner Condor
nicht schwimmfähig !
Zweisitzer Coupé, etwa 200 gefertugte Fahrzeuge bei verschiedenen Herstellern.
Klick smiley  um zu einer Weidner Condor Seite zu gelangen.
1957 Alligator Heckantrieb, Austin
1958-1959 Eurocar Heckantrieb, Austin
1960 IWK, Amphicar prototype Heckantrieb, Austin,Lizens Trippel
1974 T74-Universal Heckantrieb, Opel
1975 T74-Military 4WD, Opel
1976 Seeotter 
= Mayer prototyp No 1
Heckantrieb, Opel
1977 T77-Military 4WD, Ford
1977 T77-Universal Heckantrieb, Ford
1977 Jeep Heckantrieb, Ford, hatte keinen extra Schwimmantrieb
1979 Amphiranger Universal 4WD, Ford, hatte keinen extra Schwimmantrieb
1980 Amphiranger Military 4WD, Ford
1982 RMA, Amphi-Ranger prototype 4WD, Ford
1989 Aqua-Terra Heckantrieb, Opel
1990 Aqua-Terra II 4WD, Peugeot