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von
F.Teekentrup und B.Neumann, Lübeek.
Im
vorliegenden auszugsweise wiedergegebenen Bericht
soll
der erste serienmiissig hergestellte schwimmfähige Sportwagen
"Amphicar" in seinen technischen Einzelheiten vorgestellt werden; er
wird schon seit längerer
Zoit
nach USA goliefert und ist nun auch in Deutschland zugelassen.
Die
Konstruktion und laufende Entwicklung liegt in Händen der Industrie‑Werke
Karlsruhe, Werk Lübeck‑Schlutup,
während
die Serienfertigung von den Deutschen Waggonund Maschinenfabriken GmbH,
Berlin, vorgenommen wird.
Grundlage
der Konstruktion
In
der Bedienung entspricht das viersitzige Sport‑
cabriolet
bei Landfahrt einem normalen Personenwagen. Ein wesentliches Merkmal dieser
Konstruktion liegt
darin,
dass der Wagen ohne Halten oder Umbauen ‑ wie
es
sehr oft bei Kombigeräten der Fall ist ‑ von einem
Element
ins andere fahren kann. Trimmlage, Kühlung und Propellerantrieb waren für die
Wahl eines Heckmotors ausschlaggebend. Dieser treibt für die Landfahrt die
Hinterachse über ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe an. Filr die
Wasserfahrt ist das Fahrzeug mit
zwei
Polyamid‑Propellern ausgerüstat, welche im Heck
zu
beiden Seiten des Motors geschützt angeordnet sind
und
Uber ein an das Fahrgetriebe angeflanschtes Spezialuntersetzungsgetriebe
angetrieben werden.
Die
technischen Probleme liegen hauptsachlin in der
Korrosion
(besonders an den beweglichen Verbindungsstellen innerhalb des Fahrzeuges) und
in der Motor‑
kuhlung.
Bedingt durch den Wasserantrieb, verstkrkten Unterbau, Sonderabdichtungen und
‑einbauten liegt das Leergewicht eines Amphibienfahrzeuges naturbedingt
gegenüber
entsprechenden Fahrzeugen gleicher Grössenordnung höher.
Motor
Als
Motor wird der wassergekühlte, ausgereifte Serienmotor der Firma Standard
Motor Co. Ltd., Coventry, England, verwendet. Er zeichnet sich besonders durch
seine Elastizität, Laufruhe und Startfreudigkeit aus.
Mit
Rücksicht auf die Eigenschaften eines Bootskdrpers durfte die Xarosserie rundum
keinerlei Kühlluftdurchbruche erhalten. Die Kühlluft muss also von oben eintreten
und auch wieder nach oben herausgefuhrt werden, unabhängig vom Über‑
oder Unterdruck des Fahrtwindes, da bei Wasserfahrt der Motor ohne Fahrtwind
eine hohe Dauerleistung abgeben muss.
Die
vö1lig eingekapselte Anordnung des Motors innerhalb der Bodenwanne lässt keine
natürliche Kühlung der Ölwanne zu. Aus diesem Grunde musste zusätzlich ein
Ölkühler im Kühlluftstrom des Wasserkühlers vorgesehen werden.
Die
Temperaturregelung geschieht beim Wasserkühler durch einen Thermostaten, beim
Ölkühler durch ein Kugelventil, welches je nach Viskosität des Öles den
Kreislauf über den Ölkühler zusktzlich freigibt oder aber bei kaltem Öl
verhindert, wodurch es sehr schnell seine Betriebstemperatur erreicht.
Wechselgetriebe
fUr Landfahrt
Vlie
beim Hecktriebsatz Ublich, ist das mit dem Differential verblockte Getriebe
vor der Hinterachse angeordnet. Alle 4 Vorwärtsgänge sind synchronisiert, Knüppelschaltung
mit normalem Schaltschema, bei dem der Rückwärtsgang durch cine Druckfeder
gesperrt ist.
Zusatzgetriebe
fUr Wasserfahrt
Für
den Wasserantrieb ist ein Z",usatzgetriebe vor das Wechselgetriebe
geflanscht, welches das Drehmoment des Motors von der Getriebehauptwelle her über
2 Gelenkwellen zu den Polyamid‑Propellern überträgt. Das Zusatzgetriebe
hat eine konstante Übersetzung von 3 : 1 und ist aus der Leerlaufstellung Uber
einen gesonderten Schalthebel (neben dem Wechselgetriebe‑Schalthebel)
voräkrts oder rückwärts bei gleichzeitigem Auskuppeln einschaltbar.
Fahrwerk
Achsen
vorn tind hinten; alle Riider sind einzeln an Kurbel‑Längslenkern
aufgehdngt, dadurch ergeben sich parallelgefuhrte Räder. Der Antrieb der
Hinterräder erfolgt über Gelenkwellen mit Längenausgleich.
Federung
vorn und hinten; jedes Rad ist mit je einem wartungsfreien Federbein abgefedert.
Dieses besteht aus einer progressiven Schraubenfeder mit innenliegendem
hydraulischem Stossdämpfer.
Als
Lenkung ist eine ZF‑Gemmer‑Lenkung mit unsymmetrischen Spurstangen
verwendet, welche in einem Tunnel mit abschraubbarem Boden geschutzt angeordnet
sind. Der Karosseriedurchbruch für die Lenkrollenwelle ist mit einer Manschette
von der Karosseria zum Lenkgetriebegehäuse wasserdicht überbrückt.
Die
beiden Vorderräder übernehmen die Funktion eines Ruders. Bei Ausfahrt aus dem
Wasser können Propellerund Hinterachsantrieb gleichzeitig geschaltet werden,
um den Schub der Propeller solange auszunutzen, wie these sich im Wasser
befinden. Diese kombinierte Antriebsmbglichkeit ist zur Überwindung
schwieriger Uferverhältnisse besonders vorteilhaft.
Bremsen;
hydraulische ATE‑Vierradbremse, vorn Duplex, hinten Simplex. Die
Bremstrommeln werden bei der Wasserfahrt durchflutet. Alle empfindlichen Teile
sind jedoch besonders korrosionsgeschutzt. Nach jeder Wasserfahrt mussen die
Bremsen durch mehrmaliges leichtes Abbremsen getrocknet und somit wieder auf
ihre normale Wirksamkeit gebracht werden.
Betätigungen;
sämtliche Betatigungen liegen innerhalb des Wagens. Hierbei mussten alle
beweglichen Teile im Gegensatz zum normalon Automobil besonders oberflachengeschutzt
werden (verzinkt, verkadmet, PVC‑ummantelt, badnitriert usw.).
Badnitrierte Stahlwellen in molykoteversetzten Hartgewebelagern haben sehr
gute Ergebnisse erzielt.
Der
Aufbau
Aufbauart:
zweittriges, viersitziges VierfensterCabriolet; Kofferraum im Bug und hinter
den RUckensitzen.
Rohkarosserie
Die
Ganzstahlkarosserie ist als Schwimmkbrper ausgebildet, wobei auf eine
strbmungsgunstige ebene Wanne geachtet wurde. Leider lasst es sich nicht
vermeiden, dass bei derartigen Kompromisslösungen die Strömung durch die vier
Radkasten gestört wird.
Der
Tunnel fUr das Lenkgest~.inge ist durch ein schraubbares Bodenblech abgedeckt,
wodurch gleichzeitig das Gestange von unten vor mechanischer Beschadigung geschutzt
wird. Die Heckflossen entstanden aus GrUnden der Sicherheit. Sie haben die
Aufgabe, bei Seegang die Motorraumschlitze vor seitlichem Schwallwasser zu
schutzen.
Bekanntlich
ist ein offener Aufbau verwindungsweicher als eine Limousine. Durch eine
Kombination von selbsttragender Schalenbauweise mit eingeschweisstem Doppelvierkant‑Rohrrahmen
ist eine ausserst verwindungssteife Karosserie entstanden. Da der TUreinstieg
unterhalb der Wasserlinie liegt, war die Forderung einer verwindungssteifen
Karosserie die Voraussetzung fUr eine einwandfreie TUrabdichtung.
Die
Festigkeit der Karosserie wurde auf einem PrUfstand statisch und dynamisch
untersucht. Die gefundenen Ergebnisse wurden konstruktiv ausgenutzt.
Durch
die Anordnung der innenliegenden Rahmenrohre wurden folgende Vorteile
zusammengefasst: ebene Wanne ohne, Schmutz‑ und Rostecken, Schaffung eines
Hohlraumes zwischen Wanne und Einlegefussboden fUr Spritzwasser (Bilge),
Unterbringungsmöglichkeiten fUr alle Betatigungen und Leitungen.
Selbstverstandlich
sind alle unterhalb der Wasserlinie liegenden Nahte durchgehend geschweisst. Je
nach Zusammensetzung wird Schutzgas oder Rollnahtschweissung angewandt.
Ebenfalls weichen die Blechstarken fUr die Wanne von den sonst iiblichen ab.
Ferner ist fUr die Rohkarosserie ein allseitiger Wasserablauf zum tiefsten
Punkt der Wanne berucksichtigt. An dieser Stelle liegt die Ablassöffnung,
durch die auch die Ablassehraube der Motorö1wanne erreichbar ist.
TUren
und Deckel
Der
Wunsch nach vbllig versenkbaren Kurbelfenstern bestimmte zwangslaufig die
TUrhbhe und somit eine TUrdichtung unterhalb der Wasserlinie. Damit die
Tdrschdchte nicht durch die unvermeidbaren Fensterwasser‑Ablauflöcher mit
Wasser gefullt werden, muss die TUrdichtung aussen liegen. Das bedingt jedoch
eine von aussen aufschlagende TUr, was bei innenliegenden Scharnieren nur
durch sehr prazise Arbeit erreicht wurde. Bei den TUr‑ und
Deckeldichtungen wurde durch das Prinzip "Gummi auf Gummi" eine
absolute Abdichtung erreicht. Hierbei ist ein Harteunterschied beider Werkstoffe
von ca. 0 0 Shore beachtet worden.
Die
TUren weisen ausser den normalen Drehsternschldssern an der unteren Kante ein
zusatzliches Zungenschloss mit gutem Anzugsvermbgen auf. Dieses dient als
zusatzliche Sicherheit bei Wasserfahrt. Dadurch wird das Aufspringen der TUr
verhindert, wenn versehentlich oder aus Unkenntnis der normale TUrinnendrUcker
bedient wird.
Verdeck
Um
besonders bei gutem Wetter die Wasserfahrten angenehm zu gestalten, wurde ein
vbllig versenkbares, leichtes Allwetterverdeck vorgesehen. Bei starker Sonnenbestrahlung
besteht jedoch die Mbglichkeit, ausser den vier rahmenlosen versenkbaren und den
beiden schwenkbaren Seitenfenstern das flexible Rtickfenster mittels
Reissverschluss zu öffnen und Uber die Unterkante nach unten zu klappen.
Dadurch wird das Verdeck zum Sonnenschirm, unter dem die Luft seitlich und
auch nach hinten abstrdmen kann.
Sitze
und Innenausstattung
Die
mit NOSAG‑Federn und Gummihaarformteilen gepolsterten Sitze wie auch die
Seitenverkleidungen sind entsprechend der besonderen Anforderung mit
Kunstleder bezogen. Kugellaufschienen geben der vorderen Sitzbank eine gute
Langsverstellung, wahrend die Neigung der geteilten RUckenlehne durch zwei
Randelschrauben bis zur vollen Umlegung veranderlich ist. (Liegesitze)
Stossfanger
und Leisten
Bei
der Auslegung der Stossfanger waren besondere ‑Uberlegungen nbtig. Die
vorderen Stossfanger sollen im Wasser möglichst wenig Widerstand bilden, und
die Durchbruche zur Befestigung am Rahmen sollen klei.n und wasserdicht sein.
Um eine schaufelartige Wasserbremse zu vermeiden, ist die hintere Stosstange in
die Karosserie eingezogen. Um trotz der verhaltnismassig schlanken Stosstangen
eine ttberdeckung im Strassenverkehr sicherzustellen, sind hinten zwei
verchromte Rohrbügel als Stossfanger zusdtzlieh angeordnet.
Die
seitlichen Schutzleisten mit eingelegten Gummiprofilen, durch Bechernieten
wasserdicht befestigt, geben der Karosserieseitenwand einen gewissen Schutz bei
Anlegemanövern im Wasser.
Elektrische
Ausrüstung
Für
die Beleuchtungseinrichtung waren behdrdliche Bestimmungen für Motorboote und
eine besonders gute Wasserdichtigkeit zu beachten.
Positionsleuchte
rot/grün für Wasserfahrt; die Leuchte ist so geschaltet, dass nur bei
eingeruckter Wasserschraubenschaltung Strom Uber den zusatzlichen Schalter
fliesst.
Toppleuchte
ftr Wasserfahrt; da die weisse Toppleuchte rundum leuchten muss, also Uber das
Dach hinausragt, ist these aufsteckbar gestaltet, wobei die Buchse
gleichzeitig den Stromkontakt herstellt.
Scheinwerfer;
das
Abdichten der Scheinwerfer war ein besonderes Problem, da these trotz einer
wasserdichten Gummidichtung noch um 4 0 schwenkbar bzw. einstellbar bleiben
mussen.
Lenzpumpe;
im
Heck des Fahrzeuges ist eine elektrische Lenzpumpe mit einer Leistungsfdhigkeit
von ca. 27,3 1/min angeordnet. Der Schalter mit eingebauter Kontrolleuchte
befindet sich an der Instrumententafel. Mit dieser Pumpe ist das durch
Fensterschdchte, Kühlsehlitze usw. einlaufende Spritzwasser abpumpbar.
Signalhorn;
das
Signalhorn ist in einer ungewbhnlichen Weise auf dem Kofferraumdeckel
untergebracht. Hier kann es nur von Spritzwasser erreicht werden. Die
tropfenfdrmige Blechverkleidung nimmt gleichzeitig die Leitung der Kraftstoffbehdlterbeluftung
auf. Durch eine sinnvolle Konstruktion wird nach zu hoher Betankung das sich
durch Erwarmung ausdehnende Benzin hier nach aussen geleitet. Eine Geruchbeliistigung
oder gar Brandgefahr ist damit ausgeschaltet.
Technische
Daten
Motor
Vierzylinder‑Viertakt‑Reihenmotor
(Standard,
England) 3
Hubraum
1147 cm
Bohrung
ö9,3 mm 0
Hub
7ö,0 mm
Verdichtungsverhaltnis
8 : 1
Leistung
38P3 PS (DIN) bei 4750 U/min
max.
Drehmoment 7Y8 mkg bei 2500 U/min
Vergaser
Solex, Fallstrom mit Beschleu
nigungspumpe B 30 PSE I
Elektrische
Anlage
Spannung
12 Volt (Plus an Masse)
Batterie
12 Volt 32 Ah
elektrische
Zeituhr
elektrische
Kraftstoffanzeige, zusatzlich zum Reservehahn
elektrische
Lenzpumpe, Leistung 27,3 1/min
Kupplung
Einscheiben‑Trockenkupplung
10 K
(Borg
& Beck, England)
Kiihlung
Wasserkühlung
mit Thermostat
blkuhler
zusatzlich
Getriebe
a)
für Landfahrt
blinhalt
Ubersetzungs
verhaltnisse
b)
für Vlasserfahrt
blinhalt
ttbersetzungs
verhaltnisse
Fahrwerk
Achsen
Rader
und Reifen:
Felgen
Reif
en
Reifendruck
vollsynchronisiert
4
Vorwartsgange
1
Rückwartsgang
2
Liter
1.
Gang 4,50 : 1
2.
Gang 2,91 : 1
3.
Gang 1,75 : 1
4.
Gang 1,04 : 1
Rückwicirtsgang
4,14 : 1
Achsübersetzung
4,72 : 1
je
ein Vorwarts‑ und
Rückwartsgang
1
Liter
3
: 1
Hinterachsantrieb
Uber
Gelenkwellen
Einzelradaufhangung
vorn und
hinten,
Langslenker mit
Federbein
4
1/2 1 x 13
ö,40
x 13
vorn
1 atü, hinten 2,1 atü
Lenkung
ZF‑Gemmerlenkung
ttbersetzungsverhaltnis 20 : 1
Bremsen
Fabrikat
Teves, hydraulisch
vorn,
hinten Duplex/Simplex
Bremstrommeldurchmesser
230 mm 2
Gesamtbremsfldche
788 em
Handbremse
mechanische Stockbremse, auf
die Hinterrader wirkend
Heizung
Warmwasser‑Umluftheizung
mit Geblase
Wdrmeleistung
31ö0 kcal/h
Luftleistung
200 m3/h
Fahrleistungen
a)
Landfahrt
Hbchstgeschwindigkeit
110 km/h
Beschleunigung
von 0 auf 80 km/h in 22 s
b)
Wasserfahrt
Hbchstgeschwindigkeit
10 km/h
Propeller‑Schubkraft
max.
300 kg
Kraftstoffverbrauch
a)
Landfahrt
Normverbrauch
nach
DIN
70030 9Pö 1/100 km
b)
Wasserfahrt
bei
10 km/h 12 1/h
bei
5 km/h 2,3 1/h
Masse
und Gewichte
Radstand
2100mm
Spurweite
vorn/hinten 1212/1260 mm
Vorspur
2mm
Sturz
vorn 1
Sturz
hinten 0
Spreizung
4
Nachlauf
6
Spurkreis
ca.11m
Gesamtlänge
4330mm
Gesamtbreite
1565mm
Gesamthöhe
1520mm
Bodenfreiheit,
Unbelastet
ca. 253mm
Leergewicht
1050kg
Gesamtgewicht
1350kg
Achslast
vorn max 550kg
Achslast
hinten max 830kg
Tankinhalt
47l
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